Die Geschichte der Weltausstellungen

Die Weltausstellung 1904 in St. Louis
 


Jahr: 1904
Stadt: St. Louis
Land: USA
Dauer: 30. April - 1. Dezember 1904
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Copyright: Schm├╝lling 1904
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Frederick J.V. Skiff über das Ziel der Ausstellung:

"Der Anblick, der sich uns heute bietet, ist schöner als jener, der sich den Christen beim Anblick des Gelobten Landes bot. (...) Vor allem ist die Ausstellung das Protokoll der sozialen Lebensbedingungen der Menschheit, das nicht nur den Zustand der jetzigen Kultur registriert, sondern auch die jeweiligen Pläne andeutet, mit Hilfe derer die verschiedenen Völker und Rassen sich entwickeln mögen, oder tatsächlich schon begonnen haben voranzuschreiten, hin zu einem noch höheren Entwicklungsstand."

Zit. aus: Rydell 1984, S. 159.


Friedrich von Thiersch über die Architektur:

"Der erste Eindruck, den die Ausstellung mit ihren improvisierten Kolossalbauten hervorbrachte, war mächtig. Die römische Antike in französisch-italienischer Empfindung musste auch hier wieder ihre Formen und Motive dazu hergeben, um diese gewaltigen Holzhallen zu ummanteln, ganz unbekümmert um den inneren Zweck. Nach den Vorgängen von Chicago und Buffalo war es nicht anders zu erwarten. Noch begreiflicher erscheint dies Vorgehen, wenn man den gegenwärtigen Stand der amerikanischen Architektur zugleich in Betracht zieht. Amerika steht zur Zeit noch fast ausschließlich unter dem Banne der französischen Schule, welche ja mit bekannter Zähigkeit an ihren alten Idealen festhält und der Versteinerung nahe gekommen ist. Es wird kaum einen amerikanischen Architekten von größerem Einflusse geben, der nicht die École des beaux-arts besucht hat, und selbstverständlich sind auch fast alle Leiter amerikanischer Architekturschulen tüchtige französische Künstler der strengen Richtung. (...) Dass aber in der Neuen Welt, die ja aus dem bunten Mosaik der verschiedensten Elemente zusammengesetzt ist, heute noch die französische Architekturschule eine so dominierende Stellung einnimmt, bleibt erstaunlich."

Quelle: Amtlicher Bericht über die Weltausstellung in St. Louis 1904, Berlin 1906, S. 179.


Rede des kaiserlichen Botschafters zum Deutschen Tag:

"Meine Damen und Herren! Sie heute in St. Louis zu begrüßen und Ihnen zu Ihrem großen Werke Glück zu wünschen, ist eine besondere Quelle der Ehre und Freude für mich. Es ist wohl nie zuvor in der Geschichte dieser großen Republik vorgekommen, dass Tausende und Zehntausende Männer und Frauen deutschen Blutes so Schulter an Schulter gestanden haben. Ich bin überzeugt, dass die Millionen Deutscher, welche die Überlieferungen des Vaterlandes in das Land ihrer Wahl verpflanzt haben, wo sie sie treulich bewahrten und auf ihre Nachkommen vererbten, heute mit Freude und Stolz aus ihrer ewigen Heimat auf die jüngste Generation herabschauen, die ihr Erbteil so ruhmvoll ausgebaut, dem deutschen Namen in Amerika hohe Ehre gebracht und ihre wertvollen Kräfte so mächtig zur friedlichen Entwicklung ihrer neuen Heimat gerührt hat. Ihre Errungenschaften haben die Herzen im Vaterlande mit Stolz und Dankbarkeit erfüllt. Viel verdankt Amerika deutschen Tugenden, wie das von den Lippen der ersten Männer dieses Landes oft verkündet worden ist.
Sie alle kennen das warme Interesse, das der deutsche Kaiser an ihrem Leben und Wirken nimmt. Das von ihm geschaffene herrliche Monument deutscher Errungenschaften und deutschen Könnens glänzt als eines der Hauptkleinodien unter den blendenden Schätzen dieser Ausstellung. Es verkündet, dass sowohl das Vaterland als ihre amerikanische Adoptivheimat gleich große Dinge im Laufe ihres erstaunlichen Entwicklungsganges vollbracht haben. (...)"

Quelle: Weltausstellung in St. Louis 1904. Amtlicher Katalog. 1904, S. 50 f.



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