Die Geschichte der Weltausstellungen
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Copyright: Leipziger Illustrierte, 24.5.1873

Seit frühen 1860er Jahren expandierte die österreichische Wirtschaft geradezu explosionsartig, und im Wirtschaftsaufschwung dieser Gründerjahre wurde die Forderung nach einer Weltausstellung in Wien immer lauter erhoben. Bei der in jenen Jahren eingeleiteten Modernisierung Wiens konzentrierte man sich auf die anstelle der Stadtbefestigungen angelegten Ringstraße, die die Vororte an das Zentrum anbinden sollte und als Ort für öffentliche Monumentalbauten und aristokratische StadtpalaisĎ gedacht war. Da hier, ähnlich wie bei der radikalen Stadterneuerung in Paris durch den Baron Haussmann, Planungen im großen Stil verwirklicht wurden, schien auch die Organisation eines so ambitionierten Projekts wie einer Weltausstellung durchführbar. Die Niederlage Österreichs gegen Preußen 1866 und der Ausgleich mit Ungarn 1867 verhinderten zunächst die Durchführung des Projektes.

Wenige Jahre später jedoch, begünstigt durch den Erfolg des österreichischen Beitrags auf der Pariser Weltausstellung 1867, wurde die Idee erneut aufgegriffen und als erste Weltausstellung auf deutschsprachigem Gebiet für 1873 zum 25jährigen Thronjubiläum Kaiser Franz Josephs vorbereitet. Das 1871 verfasste Programm der Ausstellung lautete: "Unter dem Allerhöchsten Schutze Sr. k. und k. Apostolischen Majestät wird im Jahre 1873 in Wien eine internationale Ausstellung stattfinden, welche das Culturleben der Gegenwart und das Gesammtgebiet der Volkswirthschaft darstellen und deren weiteren Fortschritt fördern soll."

Das Projekt wurde nicht nur von führenden liberalen Politikern, sondern auch von der österreichischen Wirtschaft und Landwirtschaft forciert, da man die Möglichkeit sah, den gründerzeitlichen Aufschwung der Welt vorzuführen. Gerade nach dem Scheitern der großdeutschen Ambitionen war das Prestige aufzupolieren und ein weltoffener, international konkurrenzfähiger Staat darzustellen. Das neue Wien als Zentrum des wirtschaftlichen und kulturellen Booms demonstrierte diese Euphorie in gigantischen Bauvorhaben. So wurde die Großbaustelle Wien zu einem der wichtigsten "Exponate" der Weltausstellung. Am 24.5.1870 unterschrieb der Kaiser den Erlass für die Abhaltung der Ausstellung, die unter dem Protektorat seines Bruders, Erzherzog Karl Ludwig, stand. Zum Präsidenten wurde Erzherzog Rainer, ein Neffe Franz Josephs, ernannt. Bereits im Sommer 1870 lud man die ausländischen Regierungen zur Teilnahme ein und erhielt positive Zusagen der westeuropäischen Industrieländer und der USA, aber erstmals auch von zahlreichen Ländern des Orients und des fernen Ostens. Insgesamt 35 souveräne Staaten sollten schließlich in Wien ausstellen.

Seit Januar 1871 bekleidete Dr. Wilhelm Freiherr von Schwarz-Senborn das Amt des Generaldirektors, ihm wurden uneingeschränkte Vollmachten eingeräumt. Die Organisation übernahm eine kaiserliche Kommission mit 215 Mitgliedern. Zudem wurden 28 Arbeitsausschüsse mit insgesamt 1.278 Angehörigen mit der Durchführung des Großprojektes beauftragt. Die Baumaßnahmen für die Ausstellung wurden sehr spät in Angriff genommen und obwohl man den Eröffnungstermin verschieben musste, ist die Schnelligkeit und Finanzierung der Realisierung dieses architektonischen Mammutprojektes heute kaum mehr nachvollziehbar. Im Sommer 1871 bewilligte der Reichsrat einen Kredit über sechs Millionen Gulden. Doch die Kosten sollten die zunächst nur sehr vagen Schätzungen um mehr als das Dreifache übertreffen. 1872 wurden weitere sieben Millionen Gulden und kurz vor der Eröffnung noch einmal 9,7 Millionen Gulden gewährt.


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Die Weltausstellung 1873 in Wien
Gründerzeit und Fortschrittsglaube
Jahr: 1873Stadt: WienLand: √Ėsterreich
Dauer: 1. Mai - 31. Oktober 1873

 

 

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